FC Augsburg: Reisende soll man nicht aufhalten

Verfasst am Mittwoch, 18. August 2021 von Marc Gerstmeyr

Die FC Augsburg Kolumne von Moritz Winkler

Kevin Danso und Marco Richter haben den FC Augsburg in den letzten Tagen verlassen – der eine mit mehr, der andere mit weniger Störgeräuschen. Beide galten einst als künftige Aushängeschilder des Vereins und suchen nun die Herausforderung bei einem neuen Arbeitgeber.

Aller Abschied fällt schwer, so sagt man zumindest. Ob das auch auf Kevin Danso und Marco Richter zutrifft, erscheint zumindest zweifelhaft. Schließlich hatten beide den FC Augsburg in der Vergangenheit bereits mehrmals um eine Freigabe für einen Wechsel gebeten, ehe sie in zuletzt den Verein verlassen durften. Dabei sollten die Kicker eigentlich einst die zukünftigen Aushängeschilder für die Fuggerstädter werden.

Sowohl Kevin Danso als auch Marco Richter spielten schon in der Jugend für den FC Augsburg, letzterer stammte sogar aus der Region. Als gebürtiger Friedberger wechselte Richter 2012 aus dem Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern zu den Fuggerstädtern. Schon früh stellte der Angreifer dabei unter Beweis, dass er das Potential zu einem echten Topstürmer hat. 2016 hatte Richter mit der zweiten Mannschaft des FCA beim spektakulären 12:0 Sieg gegen Seligenporten unglaubliche sieben Treffer erzielt und damit einen neuen Rekord in der Regionalliga aufgestellt. Etwas mehr als ein Jahr später gab der Stürmer dann im Oktober 2017 sein Debüt für die erste Mannschaft und ging seitdem für den FCA in der Bundesliga auf Torejagd.

Richters Teamkollege Kevin Danso gilt als nicht minder begabt. Seit 2014 spielt der gebürtige Österreicher für die Fuggerstädter und wurde in der Saison 2016/17 mit gerade einmal 18 Jahren zum bisherigen jüngsten Bundesligadebütanten der Schwaben. Sein damaliger Trainer Manuel Baum bezeichnete Danso sogar als „eines der größten Innenverteidiger-Talente in der Bundesliga“.

Beide Akteure hatten sich in der Vergangenheit dankbar für die Chance gezeigt, die sie beim FC Augsburg erhalten hatten, und trotzdem wollten sie den Verein schon im Sommer 2019 verlassen. Offenbar war man in beiden Fällen unzufrieden mit den eigenen Einsatzzeiten und fühlte sich vom Verein nicht genügend wertgeschätzt. Kevin Danso wurde daraufhin verliehen, zunächst nach Southampton, ein Jahr später in die zweite Bundesliga zu Fortuna Düsseldorf. Als der Verein ihn auch in diesem Sommer nicht verkaufen wollte, griff der Österreicher zu härteren – und auch unlauteren – Mitteln und trat in den Arbeitsstreik. Mit Erfolg, wie sich jetzt zeigte.

Im Gegensatz dazu verlief der Abgang von Marco Richter um einiges harmonischer. Auch er hatte seinen Wechselwunsch in der Vergangenheit öffentlich kundgetan, blieb dem Verein jedoch erhalten, als keine Einigung mit den Interessenten zustande kam. Statt einen Transfer auf Biegen und Brechen zu erzwingen, konzentrierte sich der Angreifer ganz auf den Sport. Zuletzt war der 23-Jährige unter Markus Weinzierl sogar wieder gesetzt, wodurch er offenbar das Interesse von Hertha BSC geweckt hatte, die den Stürmer nun unter Vertrag nahmen.

Für den FCA bedeuten diese beiden Wechsel gerade in Coronazeiten einen finanziellen Segen. Insgesamt 12 Millionen Euro soll der Verein für die beiden Spieler an Ablöse erhalten haben, wobei sich die Summe durch diverse Bonuszahlungen in Zukunft noch erhöhen könnte. Damit haben die Verantwortlichen das wirtschaftlich Bestmögliche aus dieser Situation herausgeholt und sich gleichzeitig zweier potentieller Unruheherde für die kommende Saison entledigt. Die beiden Spieler dagegen können sich nun bei anderen Vereinen einer neuen Herausforderung stellen. Ob sie dort die erhoffte Wertschätzung bekommen, wird die Zukunft zeigen. Reisende soll man schließlich nicht aufhalten.