Finale der Offenen Deutschen Meisterschaft im Frauenschach

Verfasst am Montag, 11. März 2024 von Angela Merten

Die Polin Klaudia Kulon sichert sich den Titel

Nach neun teilweise sehr anstrengenden und spannenden Runden ging im Hotel Ibis die erste Internationale Offene Deutsche Frauen-Einzelmeisterschaft im Schach mit einem knappen Sieg der 42-jährigen Polin Klaudia Kulon vor der punktgleichen Ukrainerin Natalyia Buksa zu Ende. Was die 45 Damen in der A- und B-Gruppe innerhalb von fünf Tagen auf die Bretter inszenierten, die für sie die Welt bedeuten, war aller Ehren wert. Ein im doppelten Wortsinne attraktives Schach!

Das Spiel der Polin war in etwa vergleichbar mit dem Märchen „Hase und Igel“. Wohin die Gegnerinnen ihre Figuren auch führten, Klaudia Kulon war schon da, sicherte clever ihre Positionen ab und verstärkte sie durch nachfolgende Züge. In der Spitzengruppe konnte sich als einzige Deutsche Antonia Ziegenfuss vom DSJ Willingen auf Rand 5 behaupten, umgeben von Daulyte-Cornette  Deimante aus Frankreich (3.), Carmen Voicu-Jagodzinsky aus Rumänien (4.) und Ida Videnova-Kuljasevic (6.) aus Bulgarien. Eine höchst bunte internationale Mischung, die perfekt zur Friedenstadt Augsburg passte, und wenn man mitbekam, wie völlig entspannt ukrainische und russische Frauen beim gemeinsamen Abendbrot saßen, war das „Kriegsspiel Schach“ ein geradezu segensreicher Ausgleich zur bitteren gegenwärtigen weltpolitischen Realität.

Von den Augsburger Vereinen konnte Kristin Braun (Schachgesellschaft Augsburg) in der A-Gruppe unter 30 Teilnehmerinnen einen sehr guten 13. Platz belegen. In der B-Gruppe (15 Teilnehmerinnen) sicherte sich die junge Ukrainerin Kseniya Protsenko vom SK Caissa Augsburg einen hervorragenden 5. Platz und kam in der Mannschaftswertung zusammen mit Carmen Voicu-Jagodzinsky sogar auf Platz drei. Alexandra Wachtel von den Schachfreunden Augsburg lag am Schluss auf dem ebenfalls beachtlichen Mittelfeldplatz 8 vor Ny Kolonia Andrianarison (Madagaskar/SK Caissa, Platz 12) und den für den SK Kriegshaber spielenden jüngeren Damen Iliza Ramazanova (Russland) und Julia Linde.

Sehr zufrieden mit dem Turnierverlauf und dem Austragungsort zeigte sich der Turnierdirektor, Großmeister Artur Jussupow. Gemeinsam mit dem Deutschen Schachbund und dem örtlichen „Ankerverein“, der Schachgesellschaft Augsburg, soll diese Internationale Offene Deutsche Frauen-Einzelmeisterschaft im nächsten Jahr in einem noch größeren Rahmen, ebenfalls wieder rund um den Internationalen Frauentag am 8. März und abermals in Augsburg, stattfinden. Als nächstes großes Ereignis plant die Schachgesellschaft heuer im Sommer einen großen öffentlichen Schachtag zugunsten von UNICEF.

Text: Wolfgang Taubert